Die Schülerinnen und Schüler berichten selbst...


Oben von links nach rechts: Jonschi, Adrian, Nelut, Costel S., Razwan, Costel I., Andrea, Andrada, hinten Ioana C., Marcel, Ionela, unten Petra und und Ioana H. (Nelu und Ionel, die beiden Jungen, die in Brasov die Schule für Forstberufe besuchen, und Dragos haben den Fototermin leider versäumt.)

Jonschi im Sommer 2009:
Ich heiße Ötvös Janozs (genannt Jonschi) und bin 17 Jahre alt. Vielen Dank für Ihre Hilfe. Ich möchte Ihnen sagen, daß ich ohne Sie die Schule nicht beenden könnte, weil ich sehr arm bin und meine Eltern sich eine Ausbildung für mich nicht leisten können. Dank Ihnen und der Hilfe Gottes kann ich in Fagaras auf die Schule für Lebensmittelberufe (Koch, Verkäufer, Kellner etc.) gehen. Ich hatte im letzten Schuljahr, welches mein erstes in dieser Schule war, einen Notendurchschnitt von 8,11*.
Ich danke Ihnen
Janozs Ötvös
* Ein Notendurchschnitt von 8.11 entspricht bei uns einer Zwei. Hier in Rumänien ist die beste Note die Zehn, die schlechteste die Eins. 

Jonschi, der eigentlich Janosz heißt, kommt aus einer großen, ungarisch sprechenden Roma-Familie. Seine Mutter hat vier Kinder eingebracht, der Vater zwei, und dann gibt es noch zwei gemeinsame Buben. Er ist mit seinen großen Brüdern in einem Heim aufgewachsen. Die Älteren haben dort Bauhandwerke gelernt und sind in Lohn und Brot. Die Kinder des Vaters sind erwachsen und Analphabeten. 
Jonschi lebt seit einigen Jahren hier in Viscri in seiner Familie und hat es dort nicht leicht. Ihn prügeln die Eltern und die jüngeren Geschwister gleichermaßen, nur die beiden Großen stecken ihm hin und wieder etwas zu. Trotzdem ist er ein ungewöhnlich freundlicher Junge und macht einen wohlerzogenen Eindruck. Der Schulbesuch ist für ihn auch deshalb so wichtig, weil er unbedingt der häuslichen Situation entfliehen und einen ordentlichen Beruf erlernen will. Er möchte Koch werden und besucht jetzt im zweiten Jahr die Schule für Lebensmittelberufe in Fagaras, 40 Kilometer von Viscri entfernt. Da es hier keinen öffentlichen Nahverkehr gibt, muß er im Internat wohnen und kann höchstens einmal im Monat nach Hause fahren. Sein Vater arbeitet als Tagelöhner bei einem Maurer, d.h. er hat nur Arbeit und Verdienst, wenn der Maurer Arbeit für ihn hat, seine Mutter strickt Socken und macht Hausschuhe, Hüte und Taschen aus Filz. Was die beiden verdienen, reicht niemals aus, das Internat, die Bücher, Hefte und Stifte, die Schuluniform und vieles mehr zu bezahlen.

Ioana C. im Sommer 2010:
Liebe Spenderinnen und Spender,
Ich heiße Oana Cercea und bin 19 Jahre alt. Ich bin Schülerin des Lyzeums „Colegiul tecnic de transportului“, Fachrichtung Technik und Mechanik. Die Hauptfächer sind Mathematik, Informatik und einige mechanische Fächer mit praktischen Übungen. Am Ende des Schuljahres machen wir ein dreiwöchiges elektrotechnisches Praktikum. Ich habe mich für das technische Profil entschieden, weil mir die Fächer Mathematik und Informatik schon immer gut gefallen haben.
Wir sind zu Hause vier Personen. Ich habe einen Bruder, er ist 15 Jahre alt und geht auf ein weit entferntes Sportlyzeum an der Donau im Süden des Landes. Mein Vater kann hier in Viscri keine Arbeit finden, meine Mutter ist Hausfrau.
Ich danke Ihnen sehr, für Ihre Hilfe, mit der ich das Internat bezahlen kann. Ich hoffe, daß Sie mit weiter helfen können.
Vielen Dank
Oana Cercea

Während Oana diesen Brief schreibt, erzählt mir ihre Mutter, wie schwierig es für sie ist, zwei Kinder zur Schule zu schicken. Das Internat ist für den 15jährigen Sohn Dragos kostenfrei. Er braucht aber ein monatliches Taschengeld, um Kleidung, Hefte, Stifte etc. einzukaufen. Außerdem sei in der staatlichen Sportschule das Essen so unzureichend, daß sie ein- bis zweimal im Monat ein Paket dorthin schickt. 
Als die Kinder klein waren, konnte sich die Familie mit ihrer kleinen Landwirtschaft einigermaßen über Wasser halten. Sie wohnten damals noch im Nachbardorf. Vor einigen Jahren sind sie wie viele andere nach Italien übergesiedelt. Der Vater wurde aber wegen eines Bandscheibenvorfalls arbeitsunfähig und die Mutter konnte mit ihrem Verdienst von 30 € am Tag die vierköpfige Familie nicht ernähren. Deshalb mussten sie nach Rumänien zurückkehren. Da es in Viscri hin und wieder Arbeit (sie putzt die Schule) und gelegentliche Verdienstmöglichkeiten mit Touristen gibt, leben sie nun bei Oanas Großmutter hier in Viscri. 
Obwohl wir nun schon 13 Jahre hier sind, ist es doch jedes Mal wieder bedrückend zu erfahren, wie sehr Eltern für eine bessere Zukunft für ihre Kinder kämpfen müssen.

Adi:
Der 16jährige Adi möchte Koch werden. Er besucht im zweiten Jahr die Schule für Lebensmittelberufe in Fagaras. Adi ist Rom, seine Eltern haben ihn verlassen, er lebt bei seinem verwitweten Großvater, der nur eine kleine Rente hat.

Petra im Frühjahr 2009:
Guten Tag,
ich bin Petra Dootz, 16 Jahre alt und wohne in Viscri. Ich gehe in die 10. Klasse des „St. O. Iosif“ Lyzeums in Rupea, auf den mathematischen Informatikzweig. Ich werde dort sehr gefordert und muß viel arbeiten, aber mir gefällt es und ich komme gut zurecht. Später möchte ich Volkswirtschaft studieren. Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, da wir zu wenig Geld haben. Ich komme aus einer bescheidenen Familie. Ich habe zwei ältere Geschwister, die beide verheiratet sind. Im letzten August ist mein Vater gestorben. Meine Mutter arbeitet nun allein in unserer kleinen Landwirtschaft, obwohl auch sie sehr krank ist. Mit dem Geld, daß ich von Ihnen bekomme, bezahle ich das Internat. Ich brauche aber darüber hinaus viel für die Schule und meine Mutter schafft es oft nur knapp, diese zusätzlichen Ausgaben mit dem Geld zu bezahlen, das sie an der Milch unserer Kühe verdient.
Ich danke Ihnen sehr, für das, was Sie für mich tun und hoffe auch in Zukunft auf Ihre Hilfe.
Petra

Petra kommt keineswegs aus einer der ärmsten Familien hier im Dorf und trotzdem ist der Schulbesuch eine monatlich wiederkehrende Herausforderung für ihre Mutter, die im letzten Jahr eine Krebsoperation hatte. Die beiden älteren Geschwister können ihr auch nicht helfen. Die Schwester ist allein erziehende Mutter und hat keine Arbeit. Der Bruder findet unregelmäßig Arbeit als Tagelöhner im Dorf und verdient kaum das Auskommen für sich und seine Familie. Im letzten Sommer ist ihr Vater nach langer, schwerer und vor allem kostspieliger Krankheit gestorben, was die finanziellen Rücklagen der Familie gänzlich verbraucht hat.
Petra geht zur Zeit in die 12. Klasse und macht im nächsten Sommer ihr Abitur.

Ioana H. im Sommer 2010:
Ich heiße Maria Ioana Heves und bin 18 Jahre alt. Ich freue mich über Ihre Unterstützung und danke Ihnen von ganzem Herzen. Ich besuche die Berufsschule für Lebensmittelberufe (Koch/Köchin/Bedienung im Restaurant/Fachverkäufer(in) in Fagaras. Mir gefällt es dort sehr gut. Einmal in der Woche fahre ich nach Hause. In der Woche muß ich im Internat bleiben. Ich wohne in einem sehr schönen Zimmer zusammen mit sechs anderen Mädchen. Wir verstehen uns sehr gut und auch mit den Lehrern komme ich gut zurecht und ich bin unter den ersten in der Klasse.
Meine Eltern unterstützen mich so gut sie können. Sie haben aber keinen festen Arbeitsplatz und können mir deshalb das Geld, das ich brauche nicht geben.
Ich habe mich sehr gefreut, als ich von Annette hörte, daß Sie mir helfen wollen und ich möchte mich noch mal für alles bedanken.
Mit großer Achtung
Maria Ioana Heves

Ioana hat an der berufsbildenden Schule in Fagaras jetzt ihren ersten Abschluß geschafft und möchte nun weitere zwei Jahre bis zum Fachabitur die Schule besuchen. Ihre Eltern arbeiten gelegentlich als schlechtbezahlte Tagelöhner auf der ehemaligen Staatsfarm.  

Nelu im Sommer 2009:
Ich heiße Imre Ioan Zsiga (genannt Nelu) und bin 17 Jahre alt. Wir sind drei Brüder, ich bin der Älteste und besuche das Forstlyzeum in Brasov. Meine Eltern haben keine feste Arbeit und die Situation der Familie ist nicht besonders gut. Meine Eltern tun, was sie können, damit wir in die Schule gehen können. Meine Mutter hat in der Spinnerei gearbeitet. Die ist aber geschlossen worden, deshalb bezieht sie Arbeitslosengeld, so daß wir nur ein kleines und nur für kurze Zeit regelmäßiges Einkommen haben.
Wenn ich die Möglichkeit habe, will ich weiterhin zur Schule gehen, weil ich ohne Abschluß keine Anstellung bekommen kann. Meine jüngeren Brüder gehen in die 7. und 5. Klasse, auch sie brauchen Geld. Ich danke Ihnen ganz herzlich dafür, was Sie für mich und die anderen Kinder tun.
Imre Ioan Zsiga


Es dreht sich leider, wie bei allen anderen Kindern, nur darum, ob das Geld für eine Ausbildung reicht.  
Ioans Eltern sind ganz besonders fleißige und zuverlässige Leute. Beide kommen sie aus Elternhäusern, die sozial auf der untersten Stufe im Dorf stehen.
Marcela, Nelus Mutter, war die zuverlässigste und fleißigste Arbeiterin in unserer Spinnerei, die wir leider wegen nachlassender Nachfrage nach Socken vorübergehend schließen mussten. Sein Vater findet gelegentlich Arbeit mit seinen Pferden im Wald, hat dort aber keine feste Anstellung. Durch ihren Fleiß haben es die beiden immerhin zu vier Kühen und drei Pferden gebracht, und sie haben den großen Wunsch, allen drei Söhnen eine Ausbildung zu ermöglichen. Obwohl sie mehr haben als viele andere, wäre das auch in diesem Fall ohne Hilfe nicht möglich.

Ionel im Februar 2010:
Ich heiße Ionel Constantin Stanica und wohne im Dorf Viscri, im Kreis Brasov. Ich bin Schüler der 11. Klasse im Lyzeum für Forstberufe in Brasov. Jeden Montagvormittag fahre ich in das ungefähr 80 km entfernte Brasov, Freitagabend komme ich nach Hause zurück, manchmal auch erst am Samstag, wenn wir Freitags bis zum späten Nachmittag Unterricht haben. Ich habe jeden Tag sechs Stunden Schule, Freitags haben wir Praktika, wir gehen dann ins Gelände und lernen über den Wald. Außer den speziellen Fächern haben wir: Geschichte, Englisch, Mathematik, Chemie, Physik etc. Wir wohnen im Internat des Lyzeums. Die Unterbringung, das Essen und die Fahrten nach Hause müssen wir aus eigener Tasche bezahlen.
Meine Familie besteht aus vier Personen, Vater, Mutter, ein Bruder und ich. Meine Eltern beschäftigen sich mit der Aufzucht von Tieren. Aber diese Arbeit kann die Kosten für den Schulbesuch nicht decken, weil auch mein Bruder noch zur Schule geht. Deshalb ist die Hilfe, die Sie schicken, sehr willkommen. Ich danke Ihnen und bitte Sie, mich weiterhin zu unterstützen, damit ich die Möglichkeit habe, die Ausbildung zu beenden. In unserem Land gibt es viele Kinder, die nicht zur Schule gehen können, weil das Geld fehlt. Hier in Viscri haben wir diese Möglichkeit, weil Annette und Roman sich um Unterstützung für uns kümmern. Ich lade Sie ein, nach Viscri zu kommen, damit ich Ihnen persönlich danken kann.
Mit Achtung
Ionel Constantin Stanica

Adi im Oktober 2010:
Liebe Spenderinnen und Spender,
ich heiße Adrian Adam, ich bin 16 Jahre alt und gehe in Fagaras auf das „Colegiul Aurel Vijali“ mit der Fachrichtung Tourismus und Lebensmittel.
 Ein Vetter von mir ist Koch und er hat mir von seinem Beruf erzählt. So habe ich beschlossen, auch Koch zu werden. Im letzten Jahr – es war mein erstes an der Schule – haben wir nur Theorie gelernt. Aber jetzt haben wir auch Praktika in der Küche. Wir haben mit einfachen Gerichten angefangen zum Beispiel Bratkartoffeln, Kuchen und Ciorba ( das ist die gute, für die rumänische Küche so typische saure Suppe).  Ich wohne in Viscri und fahre jeden Montag bis Freitag nach Fagaras, dort wohne ich im Internat.
Ich lebe hier bei meinem Großvater, der nur eine kleine Rente hat. Das Geld reicht nicht, daß ich zur Schule gehen kann. Deshalb danke ich Ihnen sehr, daß sie mir helfen.
Mit Achtung und Respekt danke ich Ihnen!


Adrian wohnt am anderen Ende des Dorfes, deshalb weiß ich über seine Familie nicht sehr viel. Seine Eltern haben sich getrennt und leben irgendwo, er weiß es selbst nicht so genau. Sie haben ihn beim Großvater, dessen Frau vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, zurückgelassen. In dem Haushalt lebt auch noch ein sehr junger Onkel mit seiner Frau Olga und zwei Kleinkindern. Der Onkel arbeitet als Nachtwächter in einer Fabrik in Rupea für einen Hungerlohn. Olga kommt aus einer armseligen ungarischen Korbflechterfamilie und kann die Familienkasse gelegentlich mit Korbwaren aufbessern. Obwohl es Adrian vermutlich materiell auch nicht viel schlechter geht als unseren andern Kindern, freue ich mich sehr, daß dieser verlassene Junge zur Schule gehen kann.

Costel im Oktober 2010:
Liebe Renate, Christoph, Jeremy, Agnes, Karl Friedrich, Jule, Ben und noch mal Renate,
vor drei Wochen habe ich mit der Schule begonnen und ich freue mich, daß ich jeden Tag nach Hause fahren kann. Wir sind sieben Kinder in der Klasse IXa und haben einen Kleinbus, der uns morgens zur Schule bringt und am Nachmittag wieder abholt. Es ist ziemlich teuer, aber wir sind froh, daß wir nicht im Internat bleiben müssen, denn dort herrscht sehr viel Gewalt. Die Kinder von Viscri hatten fast 15 Jahre lang keine Möglichkeit täglich nach Rupea zu gelangen, obwohl die beiden Orte nur 15 km auseinanderliegen. 
Mir gefällt es im Lyzeum, ich habe viele Klassenkollegen und schon neue Freunde. Ich habe viel zu lernen, drei fremde Sprachen, was mir ganz schön schwer vorkommt. Wenn ich aus der Schule zurückkomme, muß ich meiner Mutter bei der Arbeit helfen, weil meine kleine Schwester, die erst ein halbes Jahr alt ist, fast ihre ganze Zeit beansprucht. Um unseren Bauernhof kümmert sich mein Vater, aber am Wochenende gehen wir zusammen in den Wald, um Holz zu holen.
Hier hat der Herbst von allem Besitz ergriffen. In jeder Familie bereitet man sich so gut es geht auf den Winter vor.
Ich danke Ihnen von Herzen für Ihre Unterstützung. Es ist für uns sehr viel Geld.
Mit Respekt
Costel

[Annette]